Die Schmerzmacherin, Marlene Streeruwitz

 

Amy, mit vollem Name Amalie Schreiber, ist eine Frau Mitte 20. Zu Beginn des Romans kehrt sie gerade aus England zurück, wo sie bei ihrer Tante untergebracht war. Ihr wurde ein Platz bei einer paramilitrischen Sicherheitsfirma namens Allsecura nahe der tschechischen Grenze, in Bayern verschafft. Dort macht sie nun eine Ausbildung. Sie lernt, wie man Menschen gezielt Schmerz zufügen kann und wann dies nötig ist. Damit ist sowohl der physische, vielmehr jeoch noch der psychische Schmerz gemeint.

 

Amy muss sich oft verschiedenen Tests unterziehen, meistens ohne Vorwarnung. So lernt sie allen Menschen gegenüber misstrauisch zu werden. Wem kann sie noch vertrauen? Wer ist hinter all diesen mysteriösen Geschehnissen, die sie miterlebt?

 

So kommt es zum Beispiel vor, dass urplötzlich ein Helikopter im Hof der Firma landet. Kurz darauf findet Amy einen hilflosen Mann gefesselt im Schnee liegen. Ist dies wieder eine von den vielen Aufgaben die sie lösen muss oder schon bitterer Ernst?

 

Amy lebt zur Zeit ihrer Ausbildung in einem Hotel, wo sie Gino kennenlernt. Gino ist ihr Vertrauter und einer der einzigen Menschen denen gegenüber sie noch nicht misstrauisch ist. Gino arbeitet als Fitnesstrainer im Hotel und ist ein Gigolo, doch das macht Amy nichts aus. Sie fühlt sich zu ihn hingezogen und sucht bei ihm Geborgenheit.

Eines Morgens erwacht Amy und muss mit Verblüffen feststellen, dass sie angeblich einen Tag verpasst hat. Hatte sie ein Blackout? Hat jemand sie ausser Gefecht gesetzt? Sie kann sich an nichts mehr erinnern. Sofort sucht sie Hilfe bei Gino.

Stecken womöglich ihre beiden Mitarbeiter Cindy und Gregory dahinter? Amy ist verzweifelt und verwirrt. Sie hat ein komisches Gefühl im Bauch. Ihr ist stets übel und sie trinkt sich ihren Kummer weg.

Als dann auch noch Gino ins Krankenhaus eingeliefert wird, wird ihre Verunsicherung immer größer.

 

Die Beklemmung und das Gefühl auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden sind kaum noch auszuhalten. Am liebsten würde Amy ihre Ausbildung hinschmeißen. Sie hat Angst um ihre geliebte Pflegeeltern. Was wenn ihnen wegen ihr noch etwas zustöße? Die ständige Angst bringt Amy fast um den Verstand. Ueberall sieht sie Gefahr und Bedrohung. Was ist wahr, was Illusion?

 

Mit diesem unbehaglichen Gefühl flüchtet sie wieder nach London zu ihrer Tante, die aber nicht zu Hause ist. Die Übelkeit, welche sie schon lange empfindet verstärkt sich immer mehr. Und dann erfährt sie auch schon gleich, was mit ihr nicht stimmt: Sie bekommt eine Fehlgeburt. Doch von wem soll das Kind sein? Wurde sie etwa vergewaltigt an dem Tag, an den sie sich nicht mehr erinnern kann? Und was soll sie nun tun?

Das Gefühlschaos in ihr überschlägt sich geradezu. Einerseits ist sie froh zu wissen wieso sie immer diese Magenkrämpfe hatte. Andererseits ist dort wieder diese Ungewissheit. Wird sie verfolgt? Die Unsicherheit treibt Amy langsam aber sicher in den Wahnsinn. Manchmal wünscht sie sich einfach tot zu sein.

Völlig überfordert mit dieser Situation der Fehlgeburt ruft Amy ihren Pflegevater Onkel Schottola an.

 

Amy hat eine ganz besondere Beziehung zu ihren Pflegeeltern, da ihre Mutter sich nie um sie gekümmert hat. Sie war und ist wahrscheinlich noch immer drogensüchtig. Ihr war Amy immer egal. Heute lebt sie in Amsterdam. Amy hat noch immer keinen Kontakt mit ihr. Für sie sind Onkel und Tante Schottola aus Oesterreich ihre richtigen Eltern. Bei ihnen fühlt sie sich wohl.

 

Da Amy wegen iher Fehlgeburt operiert werden muss, verlässt sie London und geht nach Österreich, ihr Heimatsland. Hier wird sie in einer Klinik behandelt. Nach ihrer Entlassung lebt sie bei ihren Pflegeeltern.

Sie ist zurück im Dorf ihrer Kindheit. Erinnerungen an alte, längst vergangene und unbeschwerliche Zeiten kommen wieder hoch. Als sie dann auch noch einen alten Schulkameraden, Dominik Ebner, trifft, kommen ihr die Erinnerungen an ihre Schulzeit wieder in den Sinn. Ebner arbeitet in der Familienkanzlei seines Vaters, ist verheiratet und hat Kinder. Sein Leben ist geordnet und der Gegenteil von Amys turbulenten Alltag. Obwohl sie Dominik deswegen beneidet, würde sie nie mit ihm tauschen wollen. Sie will kein langweiliges Leben führen.

 

Kurz nach dieser Begegnung stehen zwei Polizisten vor der Tür der Schottolas. Amy wurde von ihrer Tante Marina, die einen Unfall hatte, als vermisst gemeldet.

 

Hier reißt nun der bis jetzt halbwegs lineare Handelsstrang ab. Die bis hierhin sehr kurz gehaltenen Sätze, werden länger und leserlicher. Das unangenehme Staccato dieser Sätzen, welche oft nur aus einem Wort bestanden, verwandelt sich in eine etwas angenehmere Lektüre.

 

Amy befindet sich in Nottingham in einer Schule, wo sie weiter ausgebildet wird. Allsecura hat fusioniert und heist nun Trisecura. Trotz der Fortbildung, ist Amy für die Firma unbrauchbar geworden. Sie tauge zu nichts heist es in einer Email, die zwischen Gregory, ihrem Vorgesetzten und Cindy, ihrer verabscheuenswürdigen Kollegin, zirkulierte und ihr zugeschickt wurde.

 

Später findet ein Treffen zwischen Gregory, Amy und der Tante Marina statt. Es geht um die Erbschaft eines Bildes. Amy soll auf ihren Anteil verzichten, weil sie eine Schande für die Familie sei. Ihre jüdische Großmutter hat im KZ mit einem Nazi geschlafen und ein Kind bekommen, und deshalb ist Amy es nicht würdig Erbin zu sein.

 

In der Zwischenzeit liegt Tante Trude Schottola wieder im Spital. Ihr geht es sehr schlecht. Der Krebs hat so gut wie gewonnen. Auch Gino ist im Krankenhaus, weil jemand ihm die Knie gebrochen hat, allerdings kann er sich an nichts mehr erinnern.

 

Der Roman endet mit dem unerwarteten Tod Gregorys und der Vermutung, dass er Amy all diese psychischen Schmerzen zugefügt hat.